Frisch gemahlener schwarzer Pfeffer besitzt einen sehr typischen Duft: warm, trocken, würzig und leicht holzig. Einer der Stoffe, die maßgeblich zu diesem Aroma beitragen, ist β-Caryophyllen – ein natürliches Terpen, das auch in zahlreichen Cannabis-Sorten vorkommt.
Für die Cannabispflanze ist die Verbindung gleich aus mehreren Gründen interessant. Sie beeinflusst das Aromaprofil vieler Blüten und besitzt gleichzeitig eine chemische Besonderheit, die sie von vielen anderen Terpenen unterscheidet: β-Caryophyllen kann mit dem CB2-Rezeptor des Endocannabinoid-Systems interagieren.
Das macht den Stoff wissenschaftlich interessant. Gleichzeitig sollte man zwischen gut untersuchten molekularen Eigenschaften und konkreten Aussagen über Wirkungen beim Menschen unterscheiden.
β-Caryophyllen gehört zu den Sesquiterpenen und besitzt die Summenformel C₁₅H₂₄. Sesquiterpene sind größere Moleküle als Monoterpene wie Limonen oder Pinen und besitzen dadurch teilweise andere physikalische Eigenschaften.
Was genau ist β-Caryophyllen?
Caryophyllen bezeichnet eine Gruppe eng verwandter natürlicher Verbindungen. Im Zusammenhang mit Cannabis und vielen ätherischen Ölen ist besonders β-Caryophyllen, kurz BCP, relevant.
Der Stoff wird von zahlreichen Pflanzen gebildet und ist keineswegs auf Hanf beschränkt. Besonders bekannt ist sein Vorkommen in schwarzem Pfeffer und Gewürznelken.
- Schwarzer Pfeffer
- Gewürznelken
- Zimt
- Basilikum
- Oregano
- Hopfen
- Rosmarin
- Cannabis
Im Alltag begegnet man diesem Terpen also häufiger, als man vermuten würde. Wer schwarzen Pfeffer, Nelken oder bestimmte Kräuter verwendet, kennt bereits Teile seines charakteristischen Aromas.
Wie riecht Caryophyllen?
„Pfeffrig“ ist die bekannteste Beschreibung, reicht allein aber nicht aus. Je nach Konzentration und Kombination mit anderen Aromastoffen können auch trockene, holzige, warme oder erdige Nuancen entstehen.
Eine Cannabisblüte mit hohem Anteil muss deshalb nicht einfach nur nach Pfeffer riechen. Andere Terpene können die Wahrnehmung erheblich verändern. Eine Zitrusnote durch Limonen oder eine erdige Basis durch Myrcen können beispielsweise ein völlig anderes Gesamtbild erzeugen.
Warum ist β-Caryophyllen chemisch besonders?
Eine Besonderheit ist seine Fähigkeit, an den CB2-Rezeptor zu binden. CB2 gehört gemeinsam mit CB1 zum Endocannabinoid-System.
In der wissenschaftlichen Literatur wird β-Caryophyllen deshalb als selektiver CB2-Rezeptor-Agonist beschrieben.
Diese Eigenschaft ist für ein klassisches Terpen ungewöhnlich und hat dazu geführt, dass der Stoff in unterschiedlichen biologischen Forschungsfeldern untersucht wird.
CB1- und CB2-Rezeptoren gehören beide zum Endocannabinoid-System, besitzen jedoch unterschiedliche Verteilungen und Funktionen im menschlichen Körper. β-Caryophyllen ist vor allem wegen seiner Interaktion mit CB2 interessant.
Caryophyllen im Terpenprofil von Cannabis
Das Aroma einer Cannabisblüte entsteht aus einer Mischung zahlreicher flüchtiger Verbindungen. Ein einzelnes dominantes Terpen beschreibt deshalb immer nur einen Ausschnitt.
Besonders deutlich wird das bei Kombinationen mit anderen bekannten Aromastoffen:
+ Myrcen
Erdige und kräuterartige Komponenten können zusammen ein tiefes, warmes und kräftiges Aromaprofil erzeugen.
+ Limonen
Frische Zitrusnoten bilden einen deutlichen Gegenpol zur trockenen, würzigen Pfeffernote.
+ Pinen
Kiefer, Harz und frisches Holz ergänzen den würzigen Charakter um waldige und grüne Nuancen.
+ Linalool
Blumige, weichere Noten können einen deutlichen Kontrast zur trockenen und pfeffrigen Basis schaffen.
Welche Cannabis-Sorten enthalten Caryophyllen?
β-Caryophyllen wurde in vielen unterschiedlichen Cannabis-Chemovaren nachgewiesen und gehört bei manchen Profilen zu den mengenmäßig wichtigsten Terpenen.
Diese Namen sind jedoch nur eine grobe Orientierung. Der Sortenname allein beschreibt keine standardisierte chemische Zusammensetzung.
Zwei Produkte mit dem gleichen Sortennamen können unterschiedliche Konzentrationen von Caryophyllen, Myrcen, Limonen und anderen Terpenen besitzen. Eine Analyse der jeweiligen Charge liefert deshalb wesentlich präzisere Informationen.
Wovon hängt das Terpenprofil ab?
Die Genetik einer Cannabispflanze legt einen wichtigen Rahmen fest, ist aber nicht der einzige Faktor. Auch Umwelt und Verarbeitung beeinflussen die Zusammensetzung der geernteten Blüte.
- Genetik und Phänotyp
- Licht
- Temperatur
- Nährstoffversorgung
- Reifegrad
- Erntezeitpunkt
- Trocknung
- Lagerung
- Verarbeitung
Deshalb kann dieselbe Genetik unter unterschiedlichen Bedingungen ein anderes sensorisches Profil entwickeln.
Warum verändert sich der Geruch während der Lagerung?
Auch Sesquiterpene sind flüchtige organische Verbindungen. Sie können sich während Trocknung, Verarbeitung und Lagerung verändern.
Temperatur, Sauerstoff, Licht und Zeit spielen dabei eine wichtige Rolle. Einige Moleküle verdampfen, andere können oxidieren oder in andere Verbindungen übergehen.
Eine frisch verarbeitete Cannabisblüte kann deshalb ein deutlich anderes Aroma besitzen als dieselbe Charge nach langer oder ungünstiger Lagerung.
Caryophyllen und der Entourage-Effekt
Im Cannabisbereich wird häufig vom sogenannten Entourage-Effekt gesprochen. Dahinter steht die Hypothese, dass verschiedene Bestandteile der Pflanze miteinander interagieren und dadurch das Gesamtbild beeinflussen könnten.
β-Caryophyllen ist in dieser Diskussion besonders interessant, weil seine Interaktion mit CB2 tatsächlich einen bekannten molekularen Mechanismus darstellt.
Trotzdem sollte man daraus keine zu einfachen Schlüsse ziehen. Eine nachgewiesene Rezeptorbindung beantwortet noch nicht die Frage, welche Bedeutung eine bestimmte Konzentration innerhalb einer komplexen Cannabisblüte beim Menschen besitzt.
CB2-Interaktion
β-Caryophyllen kann mit dem CB2-Rezeptor interagieren und wird wissenschaftlich als selektiver CB2-Agonist beschrieben.
Konkrete Wirkung einer Sorte
Aus dem Terpengehalt einer Cannabisblüte lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen, welche Wirkung sie bei einem bestimmten Menschen haben wird.
Terpene und Cannabinoide sind unterschiedliche Stoffklassen
Ein häufiger Fehler besteht darin, das Aromaprofil direkt mit dem Cannabinoidgehalt gleichzusetzen.
Eine stark pfeffrig riechende Blüte sagt zunächst nichts darüber aus, wie viel THC, CBD oder CBG enthalten ist. Cannabinoide und Terpene gehören zu unterschiedlichen chemischen Stoffgruppen.
Für eine detaillierte Betrachtung einer Probe sind deshalb beide Ebenen interessant: das Cannabinoidprofil und das Terpenprofil.
Caryophyllen im Alltag
Der Stoff ist ein gutes Beispiel dafür, wie wenig „exotisch“ viele Cannabis-Terpene eigentlich sind.
Schwarzer Pfeffer, Gewürznelken, Basilikum und Oregano gehören zu ganz alltäglichen Lebensmitteln und Pflanzen. Trotzdem findet man darin einige derselben Moleküle, die später auch in einer Cannabis-Analyse auftauchen.
Auch Hopfen enthält Caryophyllen. Das ist botanisch besonders interessant, weil Hopfen und Cannabis beide zur Pflanzenfamilie der Cannabaceae gehören.
Fazit
β-Caryophyllen steht aromatisch vor allem für Pfeffer, Gewürze, Holz und warme erdige Nuancen. Es kommt nicht nur in Cannabis vor, sondern ist Bestandteil zahlreicher Kräuter, Gewürze und anderer Pflanzen.
Seine besondere Stellung unter den Terpenen hängt mit der Interaktion mit dem CB2-Rezeptor zusammen. Genau diese Eigenschaft macht das Molekül für die Forschung interessant.
Für das Aroma einer Cannabisblüte bleibt jedoch das gesamte Profil entscheidend. Myrcen, Limonen, Pinen, Linalool und andere flüchtige Stoffe können die Wahrnehmung deutlich verändern.
Wer eine Sorte wirklich präzise beschreiben möchte, sollte deshalb nicht nur auf ihren Namen oder ein einzelnes dominantes Terpen schauen. Eine chargenspezifische Analyse von Cannabinoiden und Terpenen liefert das wesentlich vollständigere chemische Bild.
Häufig gestellte Fragen
Was ist Caryophyllen?
Caryophyllen ist ein natürlich vorkommendes Terpen, das unter anderem in Cannabis, schwarzem Pfeffer, Nelken, Zimt und verschiedenen Kräutern vorkommt.
Wie riecht Caryophyllen?
Caryophyllen besitzt ein charakteristisch würziges und pfeffriges Aroma. Zusätzlich können holzige, erdige und leicht herbe Noten auftreten.
Was ist das Besondere an β-Caryophyllen?
β-Caryophyllen unterscheidet sich von vielen anderen Terpenen dadurch, dass es mit CB2-Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems interagieren kann.
In welchen Cannabis-Sorten kommt Caryophyllen vor?
Caryophyllen wird häufig in Verbindung mit Sorten wie Girl Scout Cookies, Original Glue, Bubba Kush, Gelato und Wedding Cake genannt. Die tatsächliche Terpenzusammensetzung kann jedoch je nach Genetik, Anbau und Charge variieren.

















